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  • Der erste Festivaltag

    Der erste Festivaltag

    Hallo liebe Jazzfreundinnen und Jazzfreunde,

    der erste Abend des Jazz Festivals Osnabrück ist vorbei, und was soll ich sagen: Wir sind in jeder Hinsicht überwältigt. Zunächst von Euch, unserem Publikum: Ihr habt uns buchstäblich die Türen eingerannt. Schon eine halbe Stunde vor Einlass warten die Leute im Treppenhaus des Blue Note, und als kurz nach sieben das Aaron Parks Trio das Festival eröffnet, ist der Laden voll wie lange nicht. Allein dafür sagen wir herzlichen Dank!

    Noch glücklicher aber sind wir über Eure Reaktionen. Vom ersten Ton an ist die Konzentration im Raum fast mit Händen greifbar, und das ist nicht unser vager Eindruck – das sagen auch die Musikerinnen und Musiker! Vor allem die waren begeistert davon, wie offen und aufmerksam die Gäste ihnen folgte, wie inspirierend die Menschen dabei waren. Und das sind keine höflichen Komplimente, die man halt so macht; nein, auch die Musiker selbst lassen sich vom Festival-Geist mitreißen. Deshalb hängen sie die Zeit jenseits ihrer Auftritte nicht in der Künstlergarderobe ab, sondern folgen im Blue Note den Zaubereien ihrer Kollegen.

    Sensationeller Start mit dem Aaron Parks Trio

    Der Abend selbst folgt in seiner Dramaturgie gewissermaßen einer klassischen dreisätzigen Sinfonie: Markante Eröffnung, ruhig-intensiver zweiter Teil, furioses Finale.

    Aaron Parks, Anders Christensen und Cornelia Nilsson haben das Jazz Festival Osnabrück eröffnet. 
Foto: Angela von Bril
    Foto: Angela von Brill

    Den sensationellen Start des Abends und damit des Jazz Festivals Osnabrück übernimmt der amerikanische Pianist Aaron Parks gemeinsam mit dem wunderbaren Bassisten Anders Christensen und der, man kann es nicht anders sagen, sensationellen Schlagzeugerin Cornelia Nilsson. Nun ist ein klassisches Klaviertrio immer ein guter Start in ein Festival und in diesem Fall in eine neue Ära des Jazz in Osnabrück. Wie aber die drei miteinander spielen, sich gegenseitig Freiräume schaffen, aufeinander eingehen, wie sie aus traumhaft schönen Melodien zauberhafte neue Klangwelten schaffen – das hat uns von Jazz49 und das Publikum gleichermaßen berührt und überwältigt.

    Mongolischer Gesang trifft Jazz: Enji
    Enji mit River Adomeit am Bass und Paul Brändle an der Gitarre.
Foto: Angela von Brill
    Foto: Angela von Brill

    Den ruhigen Part an dem Abend nimmt die mongolische Sängerin Enji mit Paul Brändle an der Gitarre und River Adomeit am Bass ein. Enjis Stimme ist hörbar geprägt von der Musik ihrer Heimat, und das bringt eine ungewohnte Farbe ins Blue Note. Bluesige Einsprengsel von Gitarrist Brändle und der Sound seiner halbakustischen Gitarre verbinden das mit dem klassischen Jazz, und Adomeit ist am Bass gewissermaßen das Boot, auf dem Enji und Brändle durch die Landschaften schippern, das aber auch mal selbst in gesanglichen Soli die Richtung vorgibt. Und das Publikum ist wiederum hochkonzentriert dabei.

    Ohren durchpusten: re:calamari
    re:calamari mit Chaerin Im, Peter Gall, Oliver Lutz und Marta Wajdzik. 
Foto: Angela von Brill
    Foto: Angela von Brill

    Das Finale mit re:calamari, dem Quartett um den Bassisten Oliver Lutz, pustet dann mit zeitgemäßem Fusionjazz die Ohren durch. Chaerin Im spielt abgefahrenes Zeug an E-Piano und Synthi, mal minimalmäßig kreisend, mal mit bizarren Zwölfton-Tupfereien. Die polnische Saxofonistin Marta Wajdzik spielt an Alt- und Sopransax ausdrucksstarke Soli, der Bandleader selbst ruft mal wieder in Erinnerung, wie herrlich ein Sechssaiter klingt und vor allem, welches Ausdrucksspektrum ihm da zur Verfügung steht, von singenden Passagen in der hohen Lage bis zum knackigen 80er-Jahre-Slap. Und an den Drums treibt Peter Gall die ganze Fusionjazz-Maschinerie an.

    Foto: Angela von Brill

    Damit klingt der erste Festivaltage furios aus, und wie glücklich wir von Jazz49 und alle Musiker sind, seht Ihr beim Abschlussfoto.

    Aber das Festival geht weiter: Am heutigen Samstag, 14. März, unterhalten sich um 17 Uhr im Talkformat „Jazz zur Sprache gebracht“ der NDR-Jazzredakteur Stefan Gerdes, unsere Festivalkuratorin Shabnam Parvaresh und der NOZ-Kulturredakteur Ralf Döring. Um 20 Uhr folgt dann das Konzert mit dem Jakob Bro Trio.

    Wir sehen uns!