am Freitag startet endlich unser Festival, und Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, wie aufgeregt wir sind und wie sehr wir uns darauf freuen, mit Euch fantastische Konzerte zu erleben. Der positive Nebeneffekt dabei: Wir bringen Menschen, Sie und Euch und uns, zusammen, um gemeinsam Musik zu erleben und sich darüber auszutauschen, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Und das ist doch in diesen Zeiten ein nicht ganz unwichtiger Faktor.
Dieses Festival soll ein Auftakt sein, oder, um im Jazz-Jargon zu sprechen, der upbeat für unsere Reihe ab Herbst. Denn wir halten Jazz in Osnabrück nicht für eine Randerscheinung ist, sondern ein Genre, das viele Menschen bewegt, räumlich und emotional, und sie zusammenbringt.
Nominierungen zum Deutschen Jazzpreis
Wie könnte das auch anders sein. Die Musikabteilung der Universität und die Jazzabteilung des Instituts für Musik der Hochschule, das IfM, locken kontinuierlich junge, begeisterte und begeisternde Musikerinnen und Musiker nach Osnabrück. Das wiederum hat damit zu tun, dass da erstklassige Leute unterrichten. Das zeigt sich zum Beispiel in dem Umstand, dass die Leiterin des Jazzprofils am IfM, Anne Mette Iversen, in der Kategorie Komposition und Arrangement für den Deutschen Jazz Preis nominiert ist, und zwar mit der Komposition „Square Root of a Dream“ aus ihrem aktuellen Album Marbles.
Eine weitere Nominierung für den Deutschen Jazzpreis zeigt uns, wie richtig wir mit der Kölner Band „Hilde“ lagen – heißen Dank an unsere Programmchefin Shabnam Parvaresh! Die vier Frauen aus Köln sind nominiert in der Kategorie „Live Act des Jahres“ – ein zusätzlicher Grund, sich am Sonntag beim Jazz Festival Osnabrück im Blue Note von den Live-Qualitäten von Hilde zu überzeugen.
in unserem Blog wollen wir von Jazz49 den Blick auf das lenken, was sich jazzmäßig in und um Osnabrück tut. Für diesmal haben wir zwei spannende Konzerte im Angebot – und etwas in eigener Sache.
Zwei mal Shabnam Parvaresh
In diesem Monat wird unsere Kuratorin Shabam Parvaresh gleich zwei Mal selbst auf der Bühne stehen: Am Donnerstag, 12. Februar, um 20 Uhr, stellt ihr Sheen Trio im Blue Note sein neues Album „Transtory“ vor. Dabei bewegt sie sich im weiten Feld zwischen Jazz, Krautrock, Freejazz, reichert das Ganze mit viel Experiment und Einflüssen aus ihrem Heimatland Iran an. Mit dabei: Schlagzeuger Philipp Buck und Gitarristin Ula Martyn-Ellis.
Das Sheen Trio spielt am 12. Februar im Blue Note
Zwei Wochen später, am Donnerstag, 26. Februar, um 19.30 Uhr ist sie dann selbst Teil ihrer eigenen Konzertreihe „Klangfenster“. Diese Reihe lotet seit nunmehr drei Jahren in der Galerie „Hase29“ das Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer bildender Kunst und experimenteller, frei improvisierter Musik aus. Auch hier wird Shabnam Teil eines Trios: Mit ihr spielen die Schweizer Akkordeonistin Tizia Zimmermann sowie Tam Thi Pham aus Vietnam an der vietnamesischen Kastenzither Đàn bầu.
Klaus Pott, Überzeugungstäter in Sachen Jazz
Nun habe ich in meinem ersten Blog-Beitrag angekündigt, das Jazzleben in Stadt und Region Osnabrück in seiner Vielfalt abzubilden. Und da kommt Klaus Pott ins Spiel.
Klaus war jahrzehntelang für das Programm des Park Lane Jazz Club verantwortlich. Dieser Verein führte in seinen Konzerten immer wieder vor Ohren, wie modern traditioneller Jazz sein kann und erreichte damit immer ein breites Publikum. Leider hat sich der Verein vor nunmehr drei Jahren von den Osnabrücker Bühnen verabschiedet – was uns bewog, mit Jazz49 die Lücke zu füllen, die der Park Lane Jazz Club hinterlassen hat, wenn auch mit anderer inhaltlicher Ausrichtung.
Eine Geschichte mit Tradition
Klaus Pott aber bleibt, wie er sich selbst nennt, „ein Überzeugungstäter in Sachen Jazz“ – wobei er in guter alter Manier vom „Jatz“ spricht. In dieser Funktion hat er den Vorsitzenden der Jazz Initiative Osnabrück, Frank Otte, unsere Programmchefin Shabnam Parvaresh, und mich unlängst fürs OSRadio 104,8 interviewt – dazu später mehr.
Für jetzt möchte ich die „Kleine Geschichte der Osnabrücker Jazz-Clubs und -Lokale“ empfehlen, die Klaus akribisch recherchiert und mit Liebe zum Detail aufgeschrieben hat. Er beschreibt darin, wie seit den 1950-er Jahren der Jazz das Leben in Osnabrück geprägt hat. Dabei darf man nicht vergessen, dass der Jazz seit jeher Ausdruck von Revolte und Rebellion ist, von Aufbruch und Jugend. Lange, bevor Punk und Indie im Ostbunker Einzug gehalten haben, war der Jazz im Hochbunker an der Redlinger Straße zuhause.
So nimmt Klaus seine Leser an die Hand, führt sie vom Jazzkeller im Bunker zum CVJM-Heim am Ledenhof, ins Haus der Jugend, in die Blumenhalle, ins Union-Stübchen am Arndtplatz, wo niemand geringeres als Posaunist Albert Mangelsdorff aufgetreten ist, und schließlich ins Blue Note und ins Lutherhaus, sprich: in die Gegenwart.
Dabei hat Klaus präzise die Atmosphäre eingefangen, die der Jazz so schön geprägt hat, und glaubt mir: Zu Solochorussen und Blue Notes wurde ordentlich gefeiert! Er stellt uns die maßgeblichen Protagonisten der Osnabrücker Jazz-Geschichte vor, und er liefert gleichsam einen soziologischen Abriss über dieses spannende Segment des Osnabrücker Kulturlebens, in dem sich der Humus gebildet hat, in dem auch unsere Initiative Jazz49 wurzelt.
Jazz49 bei OSRadio 104,8: Gastgeber Klaus Pott, Shabnam Parvaresh, Ralf Döring und Frank Otte.
Damit komme ich abschließend zu einem Hörtipp: Wie schon erwähnt, hat Klaus uns als Moderator für OSRadio 104,8 die Gelegenheit gegeben, unseren Verein und unser Festival vorzustellen. Dort steht das Interview als 25-Minuten-Podcast zum Nachhören bereit – einfach hier klicken.
Jazz49 will mit Konzerten das kulturelle Leben in Osnabrück bereichern. Doch wir verstehen uns nicht nur als Veranstalter, sondern auch als Ort – hier im Virtuellen wie beim Konzert ganz analog –, an dem sich die Osnabrücker Jazzszene trifft, austauscht, informiert. Grenzen sind dabei fließend, musikalisch, weil das den Jazz nun einmal seinem innersten Wesen nach ausmacht, und geografisch, weil wir über den Postleitzahlenbereich 49, der unserer Initiative den Namen gegeben hat, hinausblicken und umgekehrt hoffen, dass Musikfreunde in ganz Deutschland Osnabrück als spannenden Jazzort kennenlernen und wahrnehmen.
Unseren Web-Auftritt verstehen wir als Portal für die Osnabrücker Jazzszene. Wann findet welches Konzert wo statt? Im Veranstaltungskalender sollt Ihr darauf Antwort finden, egal, ob es sich im eine unserer Jazz49-Abende handelt oder um ein Konzert der nicht so zahlreichen, aber stabilen anderen Veranstalter. Und besondere Abende greifen wir hier in diesem Blog heraus, zumeist im Vorfeld, um Euch auf den Geschmack zu bringen, aber warum nicht mal im Nachgang, wenn ein Konzert Diskussionsstoff liefert?
Blick in das Osnabrücker Jazz- und Kulturleben
Anders gesagt: Wir wollen mit diesem Blog Spots ins Osnabrücker Jazz- und Kulturleben werfen. Und um von Anfang an die Bandbreite dessen aufzuzeigen, was Jazz49 unter Jazz versteht, schauen wir zunächst, wie Christine Abdelnour und Yorgos Dimitriadis beim nächsten Klangfensterkonzert von Shabnam Parvaresh in der Hase29 mit unseren Erwartungen jonglieren könnten. Die Woche darauf blättern wir dann durch die liebevoll geschriebene und spannend zu lesende kleine Dokumentation, die Jazzdoyen Klaus Pott über die Geschichte Osnabrücker Jazzclubs seit den 1950-er Jahren geschrieben hat. Und so viel sei verraten: Die Leute damals waren kompetent und feierwütig.
Auf bald sagt Ralf
Jazzkekse wollen alle?
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